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Zurück an den Ort, den Louise Ariowitsch gestiftet hat: Nachfahren zu Besuch im Ariowitsch-Haus

vor 11 Stunden
2 Min. Lesezeit
Küf Kaufmann, Direktor des Ariowitsch-Hauses, mit Toni Bentley und anderen Nachfahren der Familien Ariowitsch und Halberstam vor dem Ariowitsch-Haus in Leipzig.
Küf Kaufmann, Direktor des Ariowitsch-Hauses, mit Toni Bentley und anderen Nachfahren der Familien Ariowitsch und Halberstam vor dem Ariowitsch-Haus in Leipzig.

Besonderer Besuch im  Ariowitsch-Haus: Toni Bentley, Ur-Urenkelin der Stifterin Louise Ariowitsch, war zum ersten Mal in Leipzig. Die in den USA lebende ehemalige Tänzerin und Autorin kam gemeinsam mit ihrem Cousin Simon Halberstam, Anwalt aus London, sowie weiteren Familienmitgliedern. Anlass der Reise war eine Ausstellung des Museums der Bildenden Künste über elf jüdische Familien der Stadt, zu denen auch die Halberstams gehören.


Toni Bentley und Simon Halberstam im Gespräch: Erinnerungen an Flucht und Verlust


Zum Programm der Familie gehörte auch ein Tag auf den Spuren der Familie. In der traditionellen Interviewreihe des Ariowitsch-Hauses beantworteten Toni Bentley und Simon Halberstam im Gespräch mit Ben Damm von der Bildungsabteilung Fragen zu ihrer Familiengeschichte.


Ihre Eltern verließen Deutschland mit den Großeltern am 26. August 1939 in einem Zug in Richtung Holland, nur wenige Tage vor Kriegsbeginn. Die Flucht war wohl lange vorbereitet worden und fiel der Familie sehr schwer. Der Großvater, Jurist und Veteran des Ersten Weltkriegs, war in der Weimarer Republik für das Oberste Gericht nominiert. Dieses Amt erhielt er nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten nicht mehr. Die Familie verstand sich in erster Linie als deutsch und erst in zweiter als jüdisch, „völlig eingebettet in die deutsche Kultur“.



In den Novemberpogromen 1938 wurde der Großvater verhaftet und nach Sachsenhausen deportiert. Sechs Wochen lang wusste seine Familie nichts von ihm. Die Vertreibung traf auch seinen Sohn, Simon Halberstams Vater, tief: Er wurde damals als Jugendlicher von dem abgeschnitten, was er für seine Wurzeln hielt. Dennoch zitierte er auch im Exil weiter Goethe, Schiller und Heine. Toni Bentleys Mutter wollte mit ihrer Tochter nie darüber reden, was der Familie in Deutschland widerfahren ist. Sie sagte oft: „Ich kann mich nicht erinnern.“

Was die Familie besaß, konnte sie nicht nach England mitnehmen. Es wurde 1942 versteigert. „Sie nahmen das Geld unserer Familie, um Juden zu ermorden“, sagte Toni Bentley.


Nachfahren der Stifterin im Ariowitsch-Haus: „Es ist eine Art Heilungsprozess“


Über das Ariowitsch-Haus und seine Gründerin sagte Simon Halberstam: „Es ist eine Quelle des Stolzes, dass unsere Ur-Ur-Großmutter sich so stark der jüdischen Gemeinschaft gewidmet hat und dass das Haus immer noch existiert und dass wir hier zurück sind. Es ist eine Art Heilungsprozess zu sehen, es ist noch hier, wiedererrichtet und weiterentwickelt, und dass es hier noch mehr pulsiert. Es gibt immer noch eine Beziehung, trotz dem, was zwischendurch passiert ist.“


Ein Tag auf den Spuren der Familien Ariowitsch und Halberstam in Leipzig


Die Gruppe von 14 Nachkommen der Familien Halberstam und Ariowitsch besuchte am Vormittag des 30. September 2026 zunächst den Alten Israelitischen Friedhof, wo Silvia Hauptmann von der Ephraim Carlebach Stiftung und Sven Trautmann-Meincke von der Stadt Leipzig sie führten. Anschließend ging es ins Ariowitsch-Haus, wo Julia Keinbrecht das Haus vorstellte und bei einem Brunch Zeit zum Kennenlernen blieb.

Am Nachmittag folgte ein Rundgang durch das Waldstraßenviertel zur Färberstraße 11, dem früheren Wohnhaus von Louise Ariowitsch. Den Abschluss bildete die Brodyer Synagoge in der Keilstraße, wo Marina Charnis, Rebbetzin der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, durch das Gebäude führte.

 
 
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