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Danke für 25 Jahre Unterstützung für Ariowitsch-Haus und Gemeinde

  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig hat in den vergangenen Jahren mehr als 500.000 Euro für das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus sowie für die jüdische Gemeinde gesammelt. Die letzte große Aktion erbrachte 38.000 Euro für die Sanierung der Dachterrasse im Ariowitsch-Haus. Jetzt wird Danke gesagt und gefeiert.


Der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig setzte sich zuletzt für die Sanierung der Dachterrasse im Ariowitsch-Haus ein. Bei einer Crowdfunding-Kampagne wurden fast 38.000 Euro eingeworben.
Der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig setzte sich zuletzt für die Sanierung der Dachterrasse im Ariowitsch-Haus ein. Bei einer Crowdfunding-Kampagne wurden fast 38.000 Euro eingeworben.

Die Dachterrasse des Kultur- und Begegnungszentrums Ariowitsch-Haus in Leipzig ist ein lauschiger Platz. Als Übergang zwischen zwei Gebäuden lädt sie zum Verweilen ein, ein großer Ahorn spendet Schatten. Man sitzt auf einer rund verlaufenden Bank. Erst auf den zweiten Blick wird klar: Die Bank ist die hölzerne Begrenzung eines Oberlichts, darunter liegt der Veranstaltungssaal des Hauses. Sofort erkennbar ist dagegen die Verzierung des Oberlichts – es ist ein Davidstern, der für die Ausrichtung des Hauses steht. Ob es um Kultur, Begegnung oder Bildung geht: Die jüdische Perspektive liegt im Fokus.


Die frisch sanierte Dachterrasse ist ein Kleinod, das ohne den Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig so nicht hätte entstehen können. Im vergangenen Jahr war die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig, Eigentümerin des Ariowitsch-Hauses, auf der Suche nach finanziellen Quellen für die dringend notwendige Rekonstruktion, denn Belag und Dichtung waren in einem schlechten Zustand. Auf der Fläche sammelte sich Wasser, was eine Entenfamilie anlockte; am Gebäude und auch am Veranstaltungssaal jedoch drohten Schäden. Der Förderverein mit Gisela Kallenbach an der Spitze sprang der Gemeinde bei und initiierte eine Spendensammlung auf der Crowdfunding-Plattform 99Funken.de. 30.000 Euro sollten eingeworben werden, um den Eigenanteil der Gemeinde bei dem Vorhaben zu decken. Doch es kam anders – im positiven Sinne. Gut 100 Unterstützerinnen und Unterstützer stellten insgesamt fast 38.000 Euro zur Verfügung. Die Dachterrasse war gerettet.



Sie ist ein Puzzlestück in einem wesentlich größeren Bild. Im Jahr 2000 wurde der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig gegründet, um die jüdische Gemeinde sowohl bei der Erweiterung der Brodyer Synagoge in der Keilstraße als auch bei der Errichtung eines Begegnungszentrums zu unterstützen. Allein für den zweiten Zweck sammelte der Verein 450.000 Euro. Die Pläne stießen in der Nachbarschaft des Ariowitsch-Hauses auf Ablehnung. Anwohner befürchteten einen sinkenden Grundstückswert durch eine jüdische Einrichtung. Umso mehr setzten sich andere für das Kultur- und Begegnungszentrum ein, darunter auch die heutige Vorsitzende Gisela Kallenbach: „Als ich das gehört habe, wollte ich sofort Mitglied werden. Es muss ausgeschlossen sein,  dass nochmals jemand in meiner Stadt sagt: ,Ich will keine jüdischen Nachbarn haben.‘ Der Bedarf ist immer noch da, den Mund aufzumachen und gegen jede Ausgrenzung einzustehen. Ich wünsche mir, dass Jüdinnen und Juden in unserer Stadt selbstverständlich angstfrei und würdevoll leben können.“


Zu den Unterstützern gehörten und gehören Wolfgang Tiefensee, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt, der evangelische Pfarrer Christian Wolff, die ehemalige Kulturamtsleiterin der Stadt Susanne Kucharski-Huniat sowie der Autor und Kabarettist Bernd-Lutz Lange. Gemeinsam mit dem Direktor des Ariowitsch-Hauses, Küf Kaufmann, erfand Lange das Programm „Fröhlich und meschugge“, eine Mischung aus jüdischem Humor, Anekdoten, Szenen und Liedern. Als 2009 das Ariowitsch-Haus Wirklichkeit wurde, stand der Verein vor der Frage, ob er sich auflösen solle – schließlich war das selbst gesteckte Ziel erreicht. Es kam anders: „Wir wollten jüdisches Leben in der Stadt weiter unterstützen“, erinnert sich Gisela Kallenbach. Mit Erfolg: Über die Jahre gingen mehr als 100.000 Euro an die Israelitische Religionsgemeinde und das Ariowitsch-Haus.


Aktuell hat der Verein 55 Mitglieder, und die Vorsitzende hofft, dass es in Zukunft noch mehr werden - auch mit Blick auf die aktuellen Pläne der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, im Ariowitsch-Haus die Außenstelle eines Bildungszentrums zu etablieren. Auf diesem Weg möchte Gisela Kallenbach das Ariowitsch-Haus kraftvoll unterstützen. Eine Mitgliedschaft sei auch für Unternehmen eine gute Gelegenheit, sich in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und steigenden Antisemitismus‘ solidarisch zu zeigen und einen guten Zweck zu unterstützen. Das war auch im Fall der Dachterrasse so: Allein von der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig kamen 8.000 Euro; auch die Europäische Stiftung der Rahn Dittrich Group spendete eine hohe Summe.


Jetzt sagt das Ariowitsch-Haus Dankeschön – dem Förderverein und allen, die sich mit ihren Spenden an der Dachsanierung beteiligt haben. Am Sonntag, dem 7. Juni, wird mit rund 100 geladenen Gästen gefeiert. Zu ihnen zählen Leipzigs Sozialbürgermeisterin Martina Münch, die Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta sowie die frühere Wissenschaftsministerin Sabine Freifrau von Schorlemmer. Eine Festrede hält der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mark Dainow. Für die Unterhaltung sorgt das Trio Rozhinkes.


Der Direktor des Hauses, Küf Kaufmann, wendet sich schon jetzt an die Unterstützerinnen und Unterstützer:"Gerade in bewegten Zeiten ist Ihr Engagement von unschätzbarem Wert. Sie zeigen seit einem Vierteljahrhundert, dass Offenheit, Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt keine leeren Worte sind, sondern täglich gelebt werden können. Für die unglaubliche Zusammenarbeit, die vielen gemeinsamen Projekte und Ihren unermüdlichen Einsatz sage ich im Namen der gesamten jüdischen Gemeinschaft. Herzlichen Dank! Bleiben wir auf viele weitere Jahre, trotz allem immer fröhlich, ein bisschen meschugge! Aber vor allem – immer gesund!“

 
 
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