So wurden 25 Jahre Engagement für jüdisches Leben in Leipzig gefeiert
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Mit einem Festakt im Ariowitsch-Haus hat der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig am Sonntag sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 80 Gäste kamen zu der Veranstaltung, darunter Leipzigs ehemaliger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, der Kabarettist und Autor Bernd-Lutz Lange, Christian Wolf, Vorsitzender der Stiftung Chorherren zu St. Thomae und früherer Thomaskirchenpfarrer.
Im Mittelpunkt der Feier im Beisein von Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla standen die Bedeutung jüdischen Lebens in Leipzig, die Rolle des Vereins beim Aufbau des Ariowitsch-Hauses sowie die Sorge über zunehmenden Antisemitismus.
Die Vorsitzende des Fördervereins, Gisela Kallenbach, erinnerte daran, warum der Verein im Jahr 2000 gegründet wurde. „Es war und ist uns wichtig, dass es einen solchen Verein gibt, der in seiner Satzung festgeschrieben hat, jüdisches Leben in unserer Stadt mit seiner Religion, mit seiner Kultur zu stärken und zu fördern“, sagte sie. Angesichts wachsender verbaler und physischer Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens sei dieses Engagement heute wichtiger denn je. „Wir möchten, dass jüdische Menschen selbstverständlich angstfrei und würdevoll in unserer Stadt sich bewegen können. Sie sind zweifelsfrei Teil unserer Stadtgesellschaft und bereichern diese insbesondere auch durch ihre Religion und ihre Kultur.“
Auch Leipzigs Sozialbürgermeisterin Martina Münch würdigte die Arbeit des Vereins. „Dieses Engagement verdient Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit“, betonte sie. Dort, wo jüdisches Leben sichtbar, selbstverständlich und sicher sein könne, zeige sich, „wie offen, demokratisch und vielfältig eine Gesellschaft wirklich ist“.
Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hob die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements hervor. „Die freiwillige Zusammenkunft, das echte Miteinander ist am Ende oft wirkungsvoller und lebendiger als formale Regeln und Gesetze es allein sein könnten“, sagte er. Eine demokratische Gesellschaft funktioniere nur dann, wenn Menschen Verantwortung für das übernehmen, „was vor Ort in ihrer eigenen Nachbarschaft passiert“. Genau dies leisteten die Mitglieder des Fördervereins.
Gleichzeitig warnte Dainow vor wachsendem Antisemitismus. „Jüdisches Leben wird in Leipzig und in anderen Städten bedroht – das ist eine unumstößliche Tatsache, vor der wir nicht die Augen schließen dürfen“, erklärte er. Antisemitismus sei „ein Angriff auf unser gesellschaftliches Zusammenleben“. Der Förderverein setze dem etwas Konkretes entgegen.
Auch Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, dankte dem Verein für dessen langjähriges Engagement. „Vielen Dank für 25 Jahre Engagement, Vertrauen und lebendige und spürbare Solidarität“, sagte er. Die Arbeit des Vereins sei maßgeblich für die Entstehung und Entwicklung des Ariowitsch-Hauses gewesen. „Auch heute in einer Zeit voller Herausforderungen und Unsicherheit ist der Förderverein wichtiger denn je.“
Für die musikalische Umrahmung sorgte das Trio Rozhinkes mit Klezmer und jüdischen Liedern, nach einem Podiumsgespräch mit ehemaligen Kuratoriumsmitgliedern erfreuten sich die Gäste an einem koscheren Büfett.
Der Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig wurde im Jahr 2000 gegründet, um die jüdische Gemeinde sowohl bei der Erweiterung der Brodyer Synagoge in der Keilstraße als auch beim Aufbau eines Begegnungszentrums zu unterstützen. Für das spätere Ariowitsch-Haus sammelte der Verein nach eigenen Angaben rund 450.000 Euro.
Die Entstehung des Hauses war damals nicht unumstritten. In der Nachbarschaft gab es Widerstand gegen die jüdische Einrichtung, einige Anwohner befürchteten sinkende Grundstückswerte. Gleichzeitig formierte sich jedoch breite Unterstützung für das Kultur- und Begegnungszentrum.
Heute zählt der Verein 55 Mitglieder. Vorsitzende Gisela Kallenbach hofft auf weiteren Zuwachs – auch mit Blick auf aktuelle Pläne der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, im Ariowitsch-Haus eine Außenstelle eines Bildungszentrums einzurichten. Besonders Unternehmen seien eingeladen, durch eine Mitgliedschaft Solidarität zu zeigen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.








