Geschichte und Gegenwart eines Hauses

Im Jahre 1928 erwarb Luise Ariowitsch unweit ihres Wohnhauses ein Baugrundstück in der Auenstraße, um dort ein Altenheim für orthodoxe Juden zu errichten. Mit der Bauplanung und Ausführung wurde der Leipziger Architekt Emil Franz Hänsel beauf-tragt. Um das Vorhaben auf ein sicheres finanzielles Fundament zu stellen, errichteten 1930 Luise Ariowitsch, Sohn Max Ariowitsch und Schwiegersohn Dr. Hermann Halberstam die „Ariowitsch-Stiftung – Israelitisches Altersheim“.

Am 17. Mai 1931 fand die Einweihung des aus einem Haupt- und einem Nebengebäude bestehenden Altenheims in der Auenstraße 14 statt. Das Hauptgebäude bot für 33 Bewohner Platz. Das kleinere Nebengebäude blieb im Rohbau und sollte zu einem späteren Zeitpunkt fertig gestellt werden.
Unter dem Druck der Judenverfolgung in der NS-Zeit nahm das Altenheim eine herausragende soziale Funktion innerhalb der Jüdischen Gemeinde in Leipzig ein. 1937 wurde mit der Fertigstellung des Hinterhauses begonnen. Die Baufinanzierung regelte Max Ariowitsch aus London, wohin er 1935 emigriert war. Im Januar 1938 war der Innenausbau beendet. 1940 lebten im „Ariowitsch-Heim“ 94 Jüdinnen und Juden. Im Oktober 1939 hatte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin die Eingliederung der Ariowitsch-Stiftung in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland angeordnet. Am 19. September 1942 wurden alle Bewohner und Angestellten in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Bereits zum 1. Oktober 1942 übernahm die Gestapo Leipzig das Gebäude als Dienststelle.

Ariowitsch-Haus,
September 2009
Als im April 1945 Truppenverbände der amerikanischen Armee in Leipzig einmarschierten, wurde ein Teil der Kommandoführung in dem als Gestapogebäude angesehenen Grundstück einquartiert. Auch die darauffolgende sowjetische Besatzungsmacht nutzte das Gebäude für ihre Militärverwaltung. Ende 1946 kam es zur Rückgabe an die im Mai 1945 wiedergegründete Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig. Da eine Weiterführung als jüdisches Altenheim die eigenen Kräfte überstieg, wurde das Grundstück an die Stadt Leipzig verpachtet und bis 1997 als städtisches Alten- und Pflegeheim Ariowitsch-Stiftung geführt.

Von Juni 1998 bis Juli 2000 nutzte das Diakonische Werk, Innere Mission Leipzig das „Ariowitsch-Heim“ als Interimsgebäude während der Rekonstruktion ihres Altenheims.

Im Herbst 2000 fiel die Entscheidung zum Umbau der Gebäude zu einem jüdischen Kultur- und Begegnungszentrum. Im Oktober 2001 erhielt der Entwurf des Leipziger Architekturbüros Weis & Volkmann den Zuschlag für die Neugestaltung. Der Umbau geriet durch eine Klage des Besitzers eines Nachbargrundstückes zeitweise ins Stocken. Erst ein obergerichtliches Urteil im Herbst 2005 ebnete den Weg für die Fertigstellung. Im April 2006 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen.
Am 15. Mai 2009 wird das „Ariowitsch-Haus – Zentrum jüdischer Kultur“ für Leipzig eingeweiht.
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